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NFT - BIG DATA

Autor: Julian Stalter, International Arts Management München - Partner of the MSC

Als Walter Benjamin 1935 in seinem vielzitierten Werk 'Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit' von der Aura des Werkes schrieb, nennt er drei Aspekte, die für ebenjene ausschlaggebend sind: Unnahbarkeit, Echtheit und Einmaligkeit.

Besonders in der digitalen Kunst stellte dabei bisher die Einmaligkeit ein inhärentes Problem dar: digitale Datensätze sind qua Definition ohne größere Probleme kopierbar. Auch Bilder – ob nun als „rich image“ oder „poor image“ (Hito Steyerl) können so unzählige Male vervielfältigt und verbreitet werden.

NFT, Big Data

Diese Zeiten könnten nun allerdings vorbei sein: Glaubt man dem Hype und den Versprechen diverser Programmierer und digitaler Künstler, bietet eine neue Technologie namens „NFT“ die Möglichkeit, auch digitalen Bildern eine Aura der Einmaligkeit zu verleihen. „NFT“, das steht für non-fungible token und beschreibt ein sog. kryptografisches Token, das nicht fungibel, also nicht austauschbar ist. Damit verleiht es virtuellen Bilder, Dateien oder Objekte einen einmaligen Status – also gleichermaßen Exklusivität wie auch Singularität. Ein größerer Kreis der Kunstszene kam mit ebendiesen „NFTs“ im Zuge einer Christie’s Auktion in Berührung, auf der ein NFT-Kunstwerk des Künstler Beeple für die (besonders auch im Bereich der digitalen Kunst) mehr als außergewöhnlich hohe Summe von 69 Millionen Dollar verkauft wurde. Das Kunstwerk, betitelt: „EVERYDAYS: THE FIRST 5000 DAYS“, besteht dabei aus 5000 Einzelbildern, die der Künstler Beeple seit 2007 täglich in den sozialen Medien hochlud.

Sowohl Künstler als auch manche Kuratoren und Galleristen überschlagen sich utopischen Fantasien, wie NFTs dem Kunstwerk im digitalen Zeitalter wieder zu Einzigartigkeit – und damit auch einem höheren Werk als Einzelstück verhelfen könnte. Aber hinter allem Enthusiasmus dieser neuen Technologie sollte eines nicht vergessen werden: NFTs verbrauchen – genau wie ihr Krypto-Bruder Bitcoin – sehr viel Energie. So ist der CO2-Fußabdruck der Token momentan noch sehr hoch. Zustande kommt dies durch das den NFTs zugrunde liegende Blockchain-System: eine Authentifizierung durch permanentes Abgleichen der Besitzer über ein Netzwerk von Computern - dabei entsteht ein hoher Stromverbrauch. Außerdem ist die Anschaffung von Grafikkarten, Rechnern und CPU-Einheiten, die zum sog. „mining“ in der Blockchain verwendet werden ein weiterer Faktor für hohen Ressourcenverbrauch.

Die Zukunft für Blockchain-Technologien wie NFTs könnten daher Rechenzentrum wie das HLRS mit seinem Hochleistungsrechner HAWK sein: hier ist Infrastruktur gebündelt vorhanden – so kommt es im Sinne von Green Tech zu weniger Verbrauch von Ressourcen. Außerdem sind die Rechenzentren mit ihren Einheiten und Struktur deutlich energieeffizienter als viele kleinere Netzwerke – auch so kann bei neuen, energieintensiven Technologien umweltschonender gehandelt werden. Als Partner des MSC bietet das HLRS daher einerseits natürlich den wissenschaftlichen Austausch – und Transfer – für alle mit ihm arbeitenden Künstler an, darüber hinaus stellt es sich aber auch Problemen wie Energie- und Ressourcenverschwendung. So kann durch Zentralisierung und Bündelung der IT-Infrastruktur und -kompetenz ein nachhaltigerer Umgang entstehen.

Erinnern wir uns zurück an den Anfang dieses Beitrags, so hat Walter Benjamin mit seiner Aura einen entscheidenden Punkt unserer heutigen Medienlandschaft vorhergesehen: in einem Zeitalter von Informationsüberfluss und Milliarden von jährliche im Internet hochgeladenen Bilder wird das Einzigartige wieder zu einer Auszeichnung sui generis. Natürlich sind mit der Blockchain-Technologie und den NFTs damit nicht alle Probleme gelöst: der Energieverbrauch muss noch deutlich optimiert werden. Trotzdem sollten sich digitale Künstler mit diesen Technologien auseinandersetzen und – vielleicht auch gemeinsam mit dem MSC – eine produktive Auseinandersetzung und vielleicht sogar kreative Gestaltung eingehen.

Autor: Julian Stalter, International Arts Management München - Partner of the MSC